Interview mit Stephanie Kelton

12 april, 2019 kl. 16:30 | Publicerat i Economics | Lämna en kommentar

220px-Kelton_Ring_PhotoKelton: Die Vorstellung, dass Staaten nur eine begrenzte Menge an Geld zur Verfügung hätten, kommt aus einer Zeit, in der die Währung in den meisten Ländern in der einen oder anderen Form an Edelmetalle wie Gold oder Silber gekoppelt war. Heute ist das nicht mehr so. Geld wird einfach gedruckt – genauer gesagt: im Computer erzeugt. Es lässt sich beliebig vermehren.

ZEIT: Das klingt jetzt so, als würden Sie einem Kind sagen: Süßigkeiten machen nicht dick. Nimm dir, so viel du willst!

Kelton: Nein, nein! Es gibt eine Grenze für die Staatsausgaben. Aber diese Grenze wird nicht durch die Höhe der Verschuldung bestimmt, sondern durch die Inflationsrate.

ZEIT: Wie meinen Sie das denn genau? Wir in Deutschland denken beim Thema Inflation normalerweise an Massenarbeitslosigkeit und staatlichen Kontrollverlust.

Kelton: Ich meine etwas anderes. Die Inflation ist auch eine Begleiterscheinung des Wirtschaftens. Um im Bild zu bleiben: Sie entsteht, wenn die Restaurants nicht mehr halb leer sind, sondern voll und sich in den Läden die Menschen drängeln. Denn dann werden irgendwann die Arbeitskräfte knapp. Die Folge: Die Restaurantangestellten können höhere Löhne durchsetzen, die Restaurantbesitzer erhöhen die Preise. In einer solchen Situation wäre es falsch, die Wirtschaft durch staatliche Ausgaben zusätzlich anzuheizen, denn dann würde sie heißlaufen. Wenn aber viele Menschen keine Arbeit haben, liegen Ressourcen brach, die der Staat nutzbar machen kann. In den meisten Industrieländern ist genau das derzeit der Fall.

Die Zeit

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