Der medialisierte Mensch

1 Dec, 2019 at 12:15 | Posted in Politics & Society | Leave a comment

In der vordigitalen Zeit konnten die Einzelnen in vielen Streitfällen als Staatsbürger auftreten, geschützt von der klar umrissenen Rolle. Jetzt schwindet dieser Schutz. Jetzt soll ein jeder mit sich selbst identisch sein – und ist entsprechend verletzlich …

FoE-social-media-illo-59aeDie einzelnen Subjekte werden greifbarer, weil sie ihr Ich veröffentlichen. Ungreifbarer wird hingegen die Öffentlichkeit, in der sich die entblößten Subjekte darbieten. Die Sichtbarkeit nimmt zu, die Unsichtbarkeit ebenso …

Mit der Selbstmedialisierung geht fast zwingend eine Ökonomisierung des Selbst einher. Die digitale Öffentlichkeit ist ja nicht gratis, wie manche glauben. Sie wird bezahlt mit dem, was die Einzelnen von sich hergeben, mal mehr, mal weniger freiwillig. Das im Netz dargebotene Ich wird zum wertvollen Gut. Und selbst jene, die ihr privates Leben gegen fremde Zugriffe wappnen, wissen zugleich, dass sie wie in einem Haus ohne Haustür leben. Spätestens seit den NSA-Skandalen ist bekannt, dass Datenspuren permanent gespeichert und kommerziell ausgewertet werden. Zudem hört man regelmäßig von globalen Digitalkonzernen, dass Passwörter, E-Mail-Daten und sonstige doch eigentlich geschützte Privatheiten in die Hände Dritter geraten seien. Was dort damit geschieht, ist so nebelig wie die Cloud, die zum Sinnbild der neuen Epoche geworden ist.

Hanno Rauterberg / Die Zeit

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