Monismus in der ökonomischen Hochschullehre

22 Feb, 2019 at 13:49 | Posted in Economics | 1 Comment

Eine Reihe von Studien des Forschungsinstituts für gesellschaftliche Weiterentwicklung hat in den letzten Jahren den Zustand der Ökonomik in Deutschland untersucht. Dabei wurde unter anderem gefragt welche Lehrbücher verwendet werden, wie plural sie sind, und was eigentlich der wissenschaftliche Nachwuchs über sein Fach denkt.

Netzwerk_Plurale_Ökonomik_LogoInsgesamt bestätigen die Studierenden der Stichprobe die Kritikpunkte der Pluralismus-Debatte: Sie nehmen im Lehralltag kaum Bezüge zu angrenzenden Disziplinen wahr, wie z. B. Geschichte, Psychologie oder Soziologie. Dabei stimmt der Großteil der Befragten (74,2%) der Aussage zu, dass Erkenntnisse aus anderen Fächern notwendig seien, um ökonomische Sachverhalte verstehen zu können. Stattdessen sei das VWL-Studium praxisfern (55%) und von einer starken mathematischen Grundausrichtung geprägt.

Dies zeigt sich besonders in den vermittelten Methoden: Es dominieren Gleichgewichts- (93,5%) und aggregierte ma­kroökono­mische Modelle (92,4%) sowie Regressions- bzw. Zeitreihenanalysen (78,6%). Andere sozialwissenschaftliche Zugänge wie Fallstudien (27,5%), Experimente (22,4%), Umfragen (11,4%) oder Diskurs- (8,4%) bzw. Netzwerkanalysen (3,0%) würden dagegen kaum in den ersten vier Semestern vermittelt. Dies gilt ebenso für Neuerungen innerhalb der VWL, wie z.B. die Bereiche Neuroökonomik (2,4%) und Ökonophysik (0,6%) …

Das Auseinanderdriften zwischen Wissenschaft und Gesellschaft und die wahrgenommenen Einseitigkeiten in der ökonomischen Hochschullehre führen allerdings nicht dazu, dass sich die Studierenden verstärkt für eine Erneuerung ihres Faches einsetzen. Zwar hat der Großteil der Befragten schon von der Pluralismus-Debatte gehört. Nur wenige verfolgen diese jedoch intensiv und allein ein Bruchteil ist persönlich engagiert, etwa über die Teilnahme an entsprechenden Veranstaltungsreihen oder durch die Mitarbeit in lokalen Initiativen.

Eva Schweitzer-Krah & Tim Engartner

1 Comment

  1. Es gab eine zeit, in der ein riese wie Max Weber sich mit hemen wie Recht, Musikwissenschaft, Anthropologie, Soziologie, Philosophie, Wirtschaft beschäftigen konnte und in allen fächern den titel eines Professors innehaben konnte. Heute sind fast nur Bindestriche Soziologen und Ökonomen. Ich sehe keine, fortschritte bei der schaffung vieler themen, die fachenidioti ermutigen!!


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